Die große Unterstützung der kleinen Gruppe
"Ich brauche keine Unterstützung, ich schaffe alles alleine!"
Wir haben uns beinahe gewöhnt an Aussagen wie diese in unserer individualistischen Gesellschaft. Aber auch wenn wir stolz darauf sind – diese Einstellung ist weder realistisch, noch ist sie christlich.
Denn Tatsache ist doch, dass wir alle angewiesen sind auf andere Menschen. Und das ist weder verwerflich, noch Ausdruck von Schwäche, es ist schlicht und einfach normal. Es ist von Gott von Anfang an so gewollt: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei." (1.Mose 2,18a)
Als der Journalist Peter Hahne einmal gefragt wurde, was ihn als Nachrichtensprecher noch erschüttere, sagte er: "Die Tatsache, dass in unserem ach so sozialen und kommunikativen Wohlstandsland Menschen tagelang, wochenlang, ja sogar jahrelang tot in ihrer Wohnung liegen, bis sie entdeckt werden."
Immer wieder klagen Menschen in Gesprächen, dass unsere Zeit kälter wird. Ja, es stimmt: Die Grundfesten unserer Gesellschaft geraten zunehmend ins Wanken. Einerseits nimmt das Bedürfnis nach intakter Familie und Ersatzfamilie zu, andererseits werden wir zunehmend beziehungsunfähiger. Haben wir als Christen dem etwas entgegenzusetzen? Ich bin überzeugt davon! Wenn ich das neue Testament lese, bin ich zutiefst inspiriert von der Strahlkraft christlicher Gemeinschaft, die heutzutage in unserem Land nur selten zu finden ist. Was war das Geheimnis der ersten Christen, die ein starkes Gemeindewachstum nach innen und außen erlebten?
Sie standen und wuchsen auf zwei Standbeinen: Einerseits im Rahmen von größeren gottesdienstlichen Veranstaltungen – dem Sonntagsgottesdienst, wenn man so will. Zum anderen aber organisierten sie sich dezentral in den Häusern, trafen sich also privat. Und so ist das bis heute – wo Gemeindewachstum weltweit stattfindet, teilen Christen ihr Leben miteinander im Alltag.
Ich meine, wir sollten uns auf unsere christlichen Wurzeln besinnen und ein Netzwerk schaffen, durch das Menschen echte Unterstützung erfahren. Durch die Gründung von gemeindlichen Zellgruppen/Hauskreisen, die sich einmal die Woche am Abend treffen, kann solch ein Netzwerk Wirklichkeit werden. Um welche Unterstützung geht es da?
1. Praktische Unterstützung
Da gibt es die Hilfeleistung, die ganz natürlich daraus entspringt, dass man sich kennenlernt und früher oder später den Mut hat, auch ganz praktische Bedürfnisse zur Sprache zu bringen. Wie in einer Familie ist es für den christlichen Hauskreis selbstverständlich, einander unter die Arme zu greifen. Sei es beim Umzug, beim Kochen, wenn jemand krank ist usw.
2. Seelische Unterstützung
Klar gibt es in der Kirche die offiziellen Seelsorger. Aber mal ehrlich – wie oft sucht man diesen auf? Viel einfacher und natürlicher ist es, in einer regelmäßigen Kleingruppe auch mal über schwierige Situationen im Leben zu sprechen und das gute Gefühl zu haben: hier sind Menschen, die einfach zuhören und mir vielleicht auch den ein oder anderen Rat geben.
3. Geistliche Unterstützung
Es gibt keinen starken Glauben ohne eine starke Gemeinschaft, die miteinander sich nicht nur um eigene Gedanken dreht, sondern Gottes Wort liest, darüber spricht und versucht, dieses im eigenen Alltag anzuwenden. Der Hauskreis ist ein Ort, wo man kleine geistliche Schritte gehen kann. Man lernt voneinander und miteinander, an Gott zu glauben und Jesus besser nachzufolgen.
Paulus schreibt an die Galater: "Einet trage die Last des anderen, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." (Gal 6,2) Hauskreise können zum Lebenselixier der Kirche werden.
Interesse geweckt?
Wenn Sie Lust haben, Glauben und Alltag besser miteinander zu verbinden, einen Hauskreis besuchen oder leiten wollen, dann kontaktieren Sie uns. Natürlich auch gern zum Schnuppern.
Ihr Thomas Bachmann
Erschienen als Leitartikel in "Mittendrin", Ausgabe "August und September 2011"

