Geistliches Zentrum im weltlichen Zentrum

Wie es sich für eine evangelische Kirche gehört: Alles am optimalen Platz

Alles am optimalen Platz: Grundriss des Gottesdienstraumes der Auferstehungskirche in Neufahrn

Die begrenzte Zahl der Sitzplätze der Kirche ist für Festgottesdienste, Konfirmationen etc. erweiterbar durch die Öffnung der hölzernen Faltwand, die ansonsten den größeren Gemeindesaal abtrennt.

Der erst kürzlich installierte Flachbildschirm in diesem Gemeindesaal optimiert das Hören und Sehen aus diesem Raum bei entsprechenden Gottesdiensten oder für Mütter mit unruhigen Kindern in allen Gottesdiensten in hohem Maß.

Eine ganz neue Gewichtung erfuhr unsere Auferstehungskirche durch die Positionierung direkt in der Neufahrner Ortsmitte.
Früher lautete die Ortsbeschreibung in etwa so: „In Neufahrn Richtung S-Bahnhof, große katholische Kirche, gegenüber eine Scheune, dahinter eine Fußballwiese und am hinteren Ende die evangelische Kirche...“.
Jetzt steht unsere Kirche da, wo sie hingehört: „Mittendrin“ (deshalb auch der Titel unseres Gemeindebriefs).

Im Zuge dieser Neupositionierung trennt nicht mehr – wie bis dahin – eine Hecke das Kirchengelände von dem öffentlichen Bereich: Im Gegenteil öffnet sich gleichsam der geistliche Bereich dem weltlichen und umgekehrt...

Außerdem ist seitdem die Auferstehungskirche nachts sehr schön von zwei Seiten beleuchtet. Zudem wurden der Stufen-Eingang und der Rampen-Eingang getauscht.

Die Geschichte des Neufahrner evangelischen Pfarrhauses begann am 30.10.1962 – an diesem Tag bat der Kirchenvorstand erstmals den evang.-luth. Landeskirchenrat in München, den Bau eines Pfarrhauses in Neufahrn zu veranlassen.

Für den Pfarrer war in Neufahrn eine Dienstwohnung durch Mietvertrag von 1954 auf 25 Jahre gemietet worden. Der Kirchenvorstand strebte jedoch den baldmöglichsten Bau eines Pfarrhauses auf dem Grundstück der Kirchengemeinde neben der Kirche an, zumal die Dienstwohnung des Geistlichen weit entfernt von der Kirche gelegen war.

Architekt Olaf Andreas Gulbransson, der seiner Zeit die Kirche gebaut hatte, hatte schon damals die Bausumme auf 110.000 DM bis 120.000 DM geschätzt. Und ausreichender Bauplatz war auf dem kircheneigenen Grundstück neben der Kirche vorhanden.

Die evangelische Kirchengemeinde Neufahrn hatte bei „größter Opferwilligkeit der Gemeindeglieder“ für den Kirchenbau bis dahin 13.500 DM aufgebracht.

Die Antwort auf den Antrag des Kirchenvorstands kam eineinhalb Jahre später – am 24. 06. 1964:
Für das geplante Bauvorhaben habe der Landeskirchenrat im Benehmen mit dem Verteilungsausschuss sich leider nicht in der Lage gesehen, im Rechnungsjahr 1964 eine Bedarfszuweisung einzuplanen. Nach Veröffentlichung der Bekanntmachung über Planung größerer Bauvorhaben im Rechungsjahr 1965 im kirchlichen Amtsblatt wäre das Bauvorhaben termingemäß im Spätherbst des Jahres erneut anzumelden.

Und erst am 4. 7. 1969 wurde Neufahrn mitgeteilt, dass der Beauftragung der Architekten Lichtblau und Bauer für die Planung und Ausführung eines Pfarrhauses einschließlich Gemeinderäume auf dem vorhandenen Kirchengrundstück zugestimmt wird.

Als Raumprogramm für die Gemeinderäume könne ein Saal von etwa 50 qm und ein kleinerer Raum von ca. 25 qm zuzüglich Kochschrank, Garderobe und WC vorgesehen werden.

Sofern ohne erhebliche Mehrkosten eine Teil-Unterkellerung des Gemeindehauses möglich sei, könne dort ein Abstellraum und ein Werkraum eingeplant werden. (Der einzige! Abstellraum für Kirche und Gemeindehaus konnte erst Ende der 90er Jahre durch die Umstellung von Öl- auf Gas-Heizung gewonnen werden).

Bild vom gescheiterten Neubau

Die erste Kostenschätzung der Architekten vom 30. 09. 1969 belief sich auf 438.000 DM, der Kostenvoranschlag vom 27.01.1970 auf 405.000DM und die endgültige Bausumme auf 496.406,09 DM - mit einem Zuschuß der Landeskirche von 450.000DM. Die Kostensteigerung wurde von den Architekten u.a. mit der „unmittelbaren Lage im Bereich der Olympiasportstätten“ (Olympische Spiele in München 1972) begründet.

Die runde Sakristei wurde durch umfassende Sanierung, inkl. Heizung und Rundbank, wieder zu einem Sakralraum für Andachten in bester Weise nutzbar. Nach dem zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Gemeindesaales die politische Gemeinde Neufahrn ca. 9.400 Einwohner zählte, wuchs die Zahl der Bürger in den nächsten Jahren mit dem einhergehenden wirtschaftlichen Aufschwung.
1997 war die Zahl der Einwohner bereits auf ca. 16.500 gestiegen.

Dieser Zuwachs machte sich auch in der evangelischen Kirchengemeinde bemerkbar. Besonders bei Festgottesdiensten oder an kirchlichen Feiertagen war das Fassungsvermögen von Kirche und Gemeindesaal mehr als erreicht.

Der Kirchenvorstand beriet daher über den Neubau eines Gemeindezentrums entsprechender Größe und Ausstattung auf dem vorhandenen Grundstück neben der Auferstehungskirche. Der Landeskirchenrat empfahl zur Planung die Durchführung eines gruppendynamischen Projektes, bei dem die Gemeinde mit ihren Wünschen eingebunden war.

Die planerische Umsetzung durch den Architekten zeigt das Modell. Kernstück dabei war eine quadratische Grünfläche mit Bäumen in den vier Ecken und einem kleinen Brunnen in der Mitte des Platzes. Gedacht war dieses Refugium als Ort der Stille und der Besinnung mittendrin.

Bis zu dieser Phase gab es von der Landeskirche keine feste Zusage für die Finanzierung des Projektes. Da jedoch zu dieser Zeit der Sprengel Eching als eigene Gemeinde von der evangelischen Gemeinde Neufahrn ausgegliedert wurde und sich mit der Planung eines eigenen Kirchbaus befaßte, war eine Mittelzuweisung zum Bau des Neufahrner Gemeindezentrums nicht mehr zu erwarten.

Aber vielleicht ist die auch heute noch spürbare Enge in der Kirche bei Festgottesdiensten ein Zeichen von schwesterlicher und brüderlicher Nähe in unserer Gemeinde.