Die Rhein-Pfälzer waren die ersten...

Entwicklung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Neufahrn

Zunächst war Neufahrn ein Pfarrvikariat (nicht selbstständige Pfarrstelle, die mit einem Berufsanfänger besetzt wird), dann ein Exponiertes Pfarrvikariat (gleichsam hervorgehobenes Pfarrvikariat) und erst mit dieser Urkunde vom 3. Juni 1969 eine Pfarrstel

Im ehemals kleinen und rein katholischen Dorf Neufahrn hatten sich 1820 - 1830 zwei evangelische Bauernfamilien angesiedelt, die im Zuge der Auswandererbewegung ihre Heimat, die Rheinpfalz, verlassen hatten.
Der größte Teil der Auswanderer hatte sich freilich in dem 20 km entfernten Oberallershausen neu angesiedelt.

Diese Pfälzer hielten in unerschütterlicher Treue zu ihrem evangelischen Glauben und zum Bekenntnis ihrer Kirche. Bilder der großen Reformatoren schmückten ihre Stuben. Und dies, obwohl sie in einem großen katholischen Gebiet lebten.
Diese Gruppierung bildete somit den Kern der evangelischen Bewegung im Gebiet um Neufahrn. Am Sonntag ging man regelmäßig zu Fuß (!) zum Gottesdienst nach Freising.

Erst als nach dem 2. Weltkrieg die Zahl der evangelischen Gemeindemitglieder durch Zuwanderung von Heimatvertriebenen aus dem Osten (Rumänien, Polen) auf 700 anstieg, wurde im Jahr 1958 eine selbstständige evangelische „Tochter-Kirchengemeinde“ Freising-Neufahrn gebildet.

Sie sammelte sich zum Gottesdienst in einem Klassenzimmer der alten Volksschule an der Dietersheimer Straße (jetzt Jugendtreff bzw. Kindergarten), im Kinosaal, oder später in dem von der katholischen Kirche zur Verfügung gestellten Franziskussaal und anderen behelfsmäßigen Räumen in den Außenorten.

Am 3. Februar 1959 wurde in einem Antrag an die evangelisch-lutherische Landessynode zur Umwandlung des Pfarrvikariats Neufahrn-Eching in ein Exponiertes Pfarrvikariat Neufahrn-Eching folgendes berichtet:

„Die Zahl der Gottesdienstbesucher in Neufahrn beträgt durchschnittlich 45, an Festtagen bis 100. Gottesdienst findet regelmäßig 14-tägig statt.
Weitere Predigtstationen:
Eching - im Saal der neuerbauten Schule - 14-tägig: 35 bis 50 Besucher.
Massenhausen - im Schulzimmer - vierwöchentlich: 10 Besucher.
Unterbruck - kath. Kapelle - vierwöchentlich: 10 Besucher.
Erching - private Kapelle des Schloßgutes - vierwöchentlich: 15 bis 20 Besucher.
Der Seelsorgebereich umfasst 95 evangelische Schüler, die in 11 Unterrichtsstationen mit 13 Wochenstunden versorgt wurden.
Im katholischen Heim für Schwererziehbare Birkeneck befinden sich gelegentlich evangelische Zöglinge, die von Fall zu Fall betreut werden.
Zum Exponierten Pfarrvikariat Neufahrn-Eching gehören die Gemarkungen der politischen Gemeinde Eching, Giggenhausen, Großnöbach, Günzenhausen, Hallbergmoos, Massenhausen und Neufahrn.“

 

Renate Jung