Ein liebenswertes Kleinod!

Die Auferstehungskirche als Zentrum der evangelischen Kirchengemeinde

Neufahrns evangelische Auferstehungskirche am Lutherweg, das Gotteshaus der evangelischen Christen, steht unter Denkmalschutz. Ein liebenswertes Kleinod mit sehenswerten Details!

Architekt Olaf Andreas Gulbransson ist für seine Kirchenbauten berühmt, hinter denen sich seine Philosophie verbirgt: Die Idee des „Zeltes“ - das nach außen sichtbare hochansteigende Dach, unter dem sich innen die Gemeinschaft der Christen zum Gottesdienst versammelt.
Im Kirchenraum selbst sind Pfarrer und Gemeinde einander so zugeordnet, wie sich natürlicherweise eine Gruppe von Hörern um den Redner bildet: Ein offener Kreis des Gestühls richtet sich an Altar und Kanzel aus. Die erste Kirche mit dieser Grundkonzeption baute Olaf Andreas Gulbransson, gebürtiger Münchner, 1950 in Schliersee.
Nach seinen Entwürfen wurden allein in Bayern weitere 15 Kirchen ausgeführt.
Als der Architekt 1961 mit 45 Jahren tödlich verunglückte, lagen Pläne für weitere Sakralbauten in der gesamten Bundesrepublik vor. Man nannte ihn den „Quartiermacher Gottes“.

Doch nicht nur die roten Backsteine heben den Bau von der Umgebung ab, auch in der Innengestaltung wird ein Programm sichtbar: Die konzentrische Mitte bildet der Taufstein, Symbol eines der beiden Sakramente der evangelischen Kirche. In Neufahrn hat er die Form eines Kelches und weist damit bereits auf das Abendmahl, das zweite Sakrament, hin.
Darüber schwebt das große, freihängende Tafelkreuz, Sinnbild von Tod und Auferstehung. Es zeigt Christus und die Zwölf Apostel. Christliche Ikonographie und theologisches Verständnis korrespondieren auf engstem Raum.

Gulbransson war die Aufgabe gestellt, für die Diasporagemeinde Neufahrn einen sakralen Raum mit ca. 120 bis140 Sitzplätzen zu schaffen.

Da die Kirchengemeinde nicht über die hohen Geldmittel für ein Kirchturmbauwerk verfügte, musste mit dem vorhandenen Raumvolumen eine für den Zweck des Gebäudes entsprechende Baukörperhöhe erzielt werden, um damit im Ortsbild dominierend mitzusprechen.
Dies wurde erreicht, indem man den quadratischen Raum (11,70 m x 11,70m) diagonal abfirstete und die Glocke in einem 12 m hohen Dachreiter, der auf den First gesetzt ist, unterbrachte: So wurde eine Gesamtbauhöhe von 22 Metern bis zur Turmspitze erreicht.

Das nach beiden Seiten abgeschleppte Dach war ursprünglich mit schwarzem Eternit-Schiefer gedeckt. Die Blechteile, einschließlich des Dachreiters, sind aus Kupfer.
Das Außenmauerwerk wurde in niederbayerischen Ziegelverblenden (bei der Teilrenovierung 1988 wurde eine neue Ziegelverkleidung vorgesetzt) ausgeführt und verfugt. Dadurch hebt sich das Mauerwerk auch dem Material nach von der umgebenden Bebauung ab.

Im Innenraum wurde durch die konzentrische Zuordnung des Kirchengestühls zu Altar, Kanzel und Taufstein die Gemeinde um das liturgische Zentrum des gottesdienstlichen Raumes dreiseitig gesammelt und damit dem Gedanken der Gemeinschaft der Gläubigen architektonischer Ausdruck verliehen.

Der Lichteinfall von außen erfolgt durch zwei Fensterschlitze an den abgeschrägten Quadratecken sowie aus einer Reihe von Fensterzeilen neben den verglasten Windfängen (Eingangstüren).

Das Mauerwerk ist innen verschlemmt. Der Fußboden unter dem Gestühl besteht aus Föhrenholz. Die Gänge sind in grobporigem Kunsttuff mit Ziegelbändern gegliedert; um den Taufstein herum wurde ein Ziegelmosaik gelegt.
Das Dach war ursprünglich unterseitig in Stahlleichtträgern verputzt ausgeführt (seit 1988 ist die Decke mit Holz verkleidet).

Der in Augenhöhe in Sichtziegel eingemauerte umlaufende Fries im Innenraum entsprang einer Laune des Architekten, der die reizend gestalteten Formziegel mit Tierfiguren in einer niederbayerischen Ziegelei entdeckte - sie sind ohne Beziehung zum sakralen Charakter der Kirche.

Altar, Kanzel und der kelchförmige Taufstein wurden von der Firma Oppenrieder, München, aus Pollinger Tuffstein hergestellt.

 

Die eingerüstete Auferstehungskirche

Das bemalte monumentale Altarkreuz, an zwei Ziegelsäulen aufgehängt, ist nach Angaben des Architekten in zeitloser, aber modern aufgefasster Ikonenart von dem akademischen Kunstmaler Rudolf Hünerkopf in München angefertigt. Es stellt Christus und die Zwölf Apostel dar.

Das kleine Meditationskreuz (Altar-kruzifix) ist in Silberblech getrieben und ein Meisterwerk des Goldschmiedemeisters Jünger in Taufkirchen: Um das in Silber und Email gegossene Lamm in der Mitte sind die Kruzifixflächen mit dem „Vaterunser“-Gebet beschriftet.

Das Kirchengestühl (Fa. Haindl, Kirchdorf) wurde aus Fichtenholz hergestellt. Die Kirchenheizung erfolgt elektrisch unter den Kirchenbänken.

Orgel: Erbaut von Ekkehard Simon aus Landshut nach den „goldenen Regeln“ des Urwalddoktors Albert Schweitzer, der als bedeutender Orgelkenner und -spieler geschätzt wurde.
Die einmanualige Orgel verfügt über 564 Pfeifen und zählt acht Register. Inzwischen wurde sie mehrmals vollständig überholt.

Glocke: Die Glocke aus dem Jahr 1649 wiegt 160 kg und hat einen Durchmesser von 65 cm. Sie stammt aus dem Oder-Neiße-Gebiet.
Nach 1945 wurden Glocken der ehemals deutschen Gemeinden dem Landeskirchenamt treuhänderisch zugeteilt. In Herzogenaurach hing diese „Leihglocke“ bis zur Anschaffung eines neuen Geläuts.
1961 konnte sie daher der Neufahrner Kirchengemeinde, in der mittlerweile viele Heimatvertriebene lebten, zur Verfügung gestellt werden.

Sakristei: An der Ostseite der Kirche steht die inzwischen wunderschön renovierte Sakristei. Diesen markanten erdgeschossigen Rundbau ließ Gulbransson ebenfalls wie die Kirche nach außen als unverputzten Ziegelbau ausführen.

Das evangelische Gemeindezentrum mit angrenzendem Pfarrhaus, 1972 vom Architekturbüro Lichtblau und Bauer, München, errichtet, ist an der Kirchen-Nordseite angebaut. Das Pfarrhaus ist vor kurzem mit Eigenmitteln der Kirchengemeinde vorbildhaft energietechnisch saniert worden.

 

Textvorlage: Andrea und Waltraut Spielberger

Richtfest der Auferstehungskirche