Beschreibung

Baubeschreibung

Dem Architekten Olaf Andreas Gulbransson, Regierungsbaumeister und Diplomingenieur in München, war die Aufgabe gestellt, für die Diasporagemeinde Neufahrn im oberbayerischen Landkreis Freising einen sakralen Raum mit ca. 120 bis 140 Sitzplätzen zu schaffen. Da die Kirchengemeinde nicht über die verhältnismäßig hohen Geldmittel für ein Kirchturmbauwerk verfügte, musste mit dem vorhandenen Raumvolumen eine für den Zweck des Gebäudes entsprechende Baukörerhöhe erzielt werden, um damit im Ortsbild dominierend mitzusprechen. Dies wurde erreicht, indem man den quadratischen Raum (11,70m x 11,70m) diagonal abfirstete und die Glocke in einem 12 m hohen Dachreiter, der auf den First aufgesetzt ist, unterbrachte: auf diese Weise wird eine Gesamtbauhöhe von 22 m bis zur Turmspitze erreicht.

Außenschild

Das nach beiden Seiten abgeschleppte Dach ist mit schwarzem Eternit-Schiefer gedeckt. Die Blechteile einschließlich des Dachreiters sind aus Kupfer.

Das Außenmauerwerk wurde in niederbayerischen Ziegelverblenden (bei der Teilrenovierung 1988 wurde eine neue Ziegelverkleidung vorgesetzt) ausgeführt und verfugt. Dadurch hebt sich das Bauwerk auch dem Material nach von der umgebenden Bebauung ab.

Im Kircheninnenraum wurde versucht, durch die konzentrische Zuordnung des Kirchengestühls zu Altar, Kanzel und Taufstein die Gemeinde um das liturgische Zentrum des gottesdienstlichen Raumes dreiseitig zu sammeln und damit dem Gedanken der Gemeinschaft der Gläubigen architektonisch Ausdruck zu verleihen.

Die Hauptbelichtung erfolgt durch zwei Fensterschlitze, die jeweils an den abgeschrägten Quadratecken untergebracht sind, sowie aus einer Reihe von in Kopfhöhe angeordneten Fensterzeilen neben den verglasten Windfängen (Eingangstüren); die Verglasung mit Antikglas ausgeführt. Das Mauerwerk ist innen verschlemmt. Der Fußboden unter dem Gestühl besteht aus Föhrenholz. Die Gänge sind in grobporigem Kunsttuff mit Ziegelbändern gegliedert; um den Taufstein herum wurde ein Ziegelmosaik gelegt. Das Dach war ursprünglich unterseitig in Stahlleichtträgern verputzt ausgeführt (seit 1988 ist die Decke mit Holz verkleidet). Der in Augenhöhe in Sichtziegel eingemauerte umlaufende Fries im Innenraum entsprang einer Laune des Architekten, der die reizend gestalteten Formziegel mit Tierfiguren in einer niederbayerischen Ziegelei entdeckte; sie sind ohne Beziehung zum sakralen Charakter der Kirche.

Einrichtung

Altar, Kanzel und der elchförmige Taufstein wurden von der Firma Oppenrieder, München, aus Pollinger Tuffstein hergestellt.

Das bemalte monumentale Altarkreuz, an zwei Ziegelsäulen aufgehängt, ist nach Angaben des Architekten in zeitloser, aber modern aufgefasster Ikonenart von dem akademischen Kunstmaler Rudolf Hünerkopf in München gefertigt. Es stellt Christus und die Zwölf Apostel dar.

Das kleinen Meditationskreuz (Altarkruzifis) ist in Silberblech getrieben und ein Meisterwerk des Goldschmiedemeisters Jünger in Taufkirchen: um das Silber und Email gegossene Lamm in der Mitte sind die Kruzifixflächen mit dem „Vaterunser“- Gebet beschriftet.

Das Kirchengestühl (Fa. Haindl, Kirchdorf) wurde aus Fichtenholz hergestellt. Die Kirchenheizung erfolgt elektrisch unter den Kirchenbänken. Die Beleuchtung geschieht im Altarraum durch Kerzenlicht ansonsten durch elektrische Wandlampen und zwei Deckenbeleuchtungen.

Dr. Nelles an der neuen elektronischen Orgel

Orgel

Erbaut von Ekkehard Simon aus Landshut nach den „goldenen Regeln“ des Urwalddoktors Albert Schweitzer, der als bedeutender Orgelkenner und – spieler geschätzt wurde. Die einmanualige Orgel verfügt über 564 Pfeifen  und zählt acht Register. Sie wurde am 21. Oktober 1962 am Kirchweihsonntag eingeweiht. Im Herbst 1979 wurde die Orgel vollständig überholt und das farbige Gehäuse erneuert.

Glocke

Die Glocke aus dem Jahr 1649 wiegt 160 kg und hat einen Durchmesser von 65cm. Sie stammt aus dem Oder-Neiße-Gebiet. Nach 1945 wurden Glocken  der ehemals deutschen Gemeinden dem Landeskirchenamt treuhänderisch zugeteilt. In Herzogenaurach hing diese „Leihglocke“ bis zur Anschaffung eines neuen Geläuts. 1961 konnte sie daher der Neufahrner Kirchengemeinde, in der mittlerweile viele Aussiedler lebten, zur Verfügung gestellt werden. Damit wurde eine Verbindung zur ursprünglichen Heimat hergestellt. Wegen ihrer volltönenden Innenharmonie (Schlagton e‘‘) ist sie bis heute als Einzelgeläut erhalten.

Ostansicht mit Sakristei

Anbauten

An der Ostseite der Kirche führt ein Gang in die Sakristei. Diesen markanten erdgeschossigen Rundbau ließ Gulbransson ebenfalls wie die Kirche nach außen als unverputzten Ziegelbau ausführen.

Das moderne evangelische Gemeindezentrum mit angrenzendem Pfarrhaus, 1972 in Flachbauart vom Architekturbüro Lichtblau und Bauer, München, errichtet, ist an die Kirchen-Nordseite angebaut.