Konfirmationspredigt in Neufahrn

(in Auszügen)

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht…“ Joh 15,5

(…)

Nun ist er also da, der Tag der Konfirmation!

„Konfirmation“ - das kommt vom lateinischen Wort „confir­mare“. Auf deutsch: „befestigen, stärken, bekräfti­gen“. Die meisten von euch, liebe Konfis, sind als kleine Kin­der getauft worden. Damals haben eure Eltern und Paten ein Versprechen für euch abgegeben. Heute – bei eurer Konfir­mation – werdet ihr selbst dieses Versprechen bekräftigen:
„Ja“, werdet ihr sagen. „Ja, ich will dazugehören zur christli­chen Ge­meinde. Ich be­kenne mich zum christlichen Glauben. In dieser Gemeinde will ich bleiben. In diesem Glauben will ich wach­sen.“ (…) Ab heute seid ihr in unse­rer Ge­meinde nicht mehr die Kleinen! Mit der Konfirmation werdet ihr mündige Chris­ten. (…)

So könnt ihr zum Beispiel Taufpaten werden, Verantwortung übernehmen für ein kleines Kind, das in unserer Kirche ge­tauft wird. Ihr könnt ihm etwas weitergeben von eurem Glau­ben. Von dem, was euch wichtig ist. Ein Patenkind haben, dem man hilft hinein­zuwach­sen - ins Leben und in den Glau­ben – das kann eine sehr schöne Aufgabe sein! Manchmal auch eine recht schwere, wenn jemand sein Patenamt wirklich ernst nimmt...

 

Ihr könnt auch wählen, wenn bald wieder Kirchenvorstands-Wahlen sind. Der Kirchenvorstand – das sind die, die in unse­rer Gemeinde das Sagen haben und den Ton angeben. Das tun in unserer Evangelischen Kirche nämlich nicht nur die Geistlichen (die Pfarrerinnen und Pfarrer). Laien haben in un­seren kirchlichen Gremien viel zu sagen und dürfen viel mit­bestimmen – im Kleinen und auch im Großen.

Ihr könnt euch auch wählen lassen – in den Jugendausschuss z.B. Der JA – das sind gewählte Vertreter von Jugendlichen, die sich zu­sammen mit einigen Erwachsenen um den Aufbau und die Gestaltung der Jugendarbeit in unserer Gemeinde kümmern. Heuer im Herbst wird wieder gewählt. (…)

Aber auch, wenn ihr euch nicht so festlegen wollt: Ihr seid in unserer Gemeinde willkommen! Es gibt viele Möglichkeiten, wo und wie ihr was machen und euch einbringen könnt. Nicht mehr pflichtmäßig – mit Konfi-Pass und Unterschrift wie bisher -, sondern einfach, weil´s euch Spaß macht…

Konfirmation – das heißt auch „Stärkung“! Die wollen wir euch mit­geben für den Weg, den ihr vor euch habt: Durch das Abend­mahl. Durch Gottes Segen, den ihr heute zuge­sprochen bekommt. Durch viele gute Worte und Wünsche.

Ein solches Wort ist euer Konfirmationsspruch. Ein Bibelwort, das ihr euch ausgesucht habt und das von heute an in ganz besonderer Weise mit euch und eurem Leben verbunden sein wird. Auf der Konfirmationsurkunde, die ihr nachher bekommt, steht euer Spruch drauf. Da könnt ihr ihn je­derzeit nachlesen. Und vielleicht kommen ja irgendwann Situ­ationen in eurem Leben - besonders schwierige, traurige oder auch besonders glückliche - wo diese Worte ganz genau für euch passen...

Noch einen Bibelvers will ich euch allen gemeinsam heute mit auf den Weg geben (…) „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Re­ben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht."

Der Weinstock - liebe Konfis, liebe Gemeinde - ist ein Bild für ein fruchtbares, erfülltes Leben. Ganz allmählich sprießen im Frühjahr die Blätter aus dem dürren Weinstock und beginnen zu wachsen. Später dann im Sommer kommen die Trauben: zuerst noch winzig und kaum zu sehen, dann immer zahlrei­cher und größer. Immer mehr Trau­ben reifen heran, leuchten in sattem Blau oder Grün. Irgendwann kommt die Zeit der Ernte. Es gibt den ersten, noch jungen Wein – Anlass für viele schöne und ausgelassene Feste. Der Weinstock, über und über be­hängt mit reifen, süßen Trauben – er ist ein Gleichnis, ein Bild für Lebens­freude und Lebenskraft.

Das Bild vom Weinstock und seinen Reben lässt sich gut auf unser Leben übertragen. So wie die Reben abhängig sind von ihrem Weinstock, so sind wir ab­hängig von den Menschen, mit denen wir zusammengewach­sen sind, die un­ser Leben geprägt haben:

An eure Eltern denke ich da, liebe Konfis. An eure Paten, Großeltern, Geschwister - an alle Menschen, mit denen ihr zusammenlebt und die euch wichtig sind. Da sind die ersten Worte, die ersten Schritte, die sie euch beigebracht haben. Die vielen schönen Stunden, die ihr in den ver­gange­nen Jah­ren miteinander ver­bracht habt. Viele fröhliche Erinnerungen und lustige Bege­benheiten. Aber auch schwie­rige Situationen, die ihr mitein­ander durchgestanden habt - Krank­heiten, Kum­mer, Trennungen, Enttäu­schungen...

 

Wie der Weinstock Kraft und Lebenssaft an seine Reben weitergibt, so haben eure Eltern, eure Paten und andere wichtige Menschen euch etwas weitergegeben –  von ihrer Liebe, ihrem Vertrauen, ihrem Glauben, ihrer Kraft. Das macht euch stark und fröhlich und lebenstüchtig. Das lässt so man­che schöne Frucht heranwach­sen...

Heute ist ein guter Zeitpunkt, das alles einmal anzuschauen. Ein guter Zeitpunkt, sich zurück­zuerinnern, zu­rückzudenken an all die Jahre. Ein guter Zeitpunkt auch, "danke!" zu sagen. Bei den El­tern, Paten und Großeltern für all ihre Liebe, Mühe und Sorge. Bei den Kindern für die viele Freude, die sie einem doch gemacht haben. Und ich denke, auch bei Gott, der El­tern und Kinder einander ge­schenkt und bisher auf ihrem Weg begleitet hat – auch in schweren Zeiten und durch finstere Täler hindurch…

Das Bild vom Weinstock - liebe Konfis, liebe Gemeinde – passt gut zu unserem Leben. Zu den Beziehungen, die uns miteinander verbinden. Jesus nimmt das Bild auf und ge­braucht es für die Beziehung zwischen Gott und den Men­schen: "Christus spricht: Ich bin der Wein­stock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht."

Was Jesus damit sagen will: Inmitten dieser Welt, die geprägt ist vom Gesetz des Grases, das morgens blüht und abends ab­gemäht wird und verdorrt, inmitten dieser Welt, in der Men­schen voreinander auf der Flucht sind, in der Geld und Profit oft wichtiger sind als Menschenleben, inmitten dieser Welt, in der Mil­lio­nen Kinder sterben, weil Mächtige ihre Interessen verfolgen - inmitten dieser Welt steht der wahre Weinstock.

 

Inmitten eures Lebens, liebe Konfirmanden und Konfir­man­dinnen, inmitten eures Lebens, das bestimmt ist von Schule und Leistung, von Erfolgen und Enttäuschun­gen, von Freund­schaften und Streit, von Arbeit und Freizeit - inmitten eures Lebens, das im Auf und Ab von Freud und Leid dahingeht und schließlich auf einer Altenheimstation oder im Unfallkranken­haus sein Ende finden kann - inmitten dieses Lebens, gibt es das wahre Leben, das erfüllte Leben, das wirklich lebendig ist.

Dass ihr davon etwas spürt, dass ihr daran Anteil habt, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden - darauf kommt es an!

"Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht." – Das heißt: Die Kraft, le­bendig zu bleiben, die Kraft, das Leben zu bestehen und für das Leben zu kämpfen in ei­ner Welt, in der der Tod so große Macht hat - diese Kraft kommt nicht aus uns selbst, sondern von Gott.

Kein freudloser, öder, gesetzlicher Glaube, son­dern ein le­bendiger, fröhlicher, blühender Glaube mit Früchten - schön anzusehen und gut zu genießen! Christ sein, im Glauben le­ben, das kann und darf keine tro­ckene, langweilige, altmodische, verstaubte Sache sein! Nein! Da muss es grünen und blühen, wachsen und reifen, dass es eine wahre Pracht ist!

Etwas von diesem Glauben, von diesem Gott haben wir (das Präpi- und das Konfi-Team, Pfarrer Bachmann und ich) in den letzten eineinhalb Jahren versucht, an euch weiterzugeben Was davon angekommen ist? Was daraus wer­den wird? Ich weiß es nicht...

Wir haben euch so nötig - euch junge Leute in unserer alten Kirche! Mit eurer Fähigkeit, euch für eine Sache zu begeistern und einzusetzen! Mit euren manchmal verrückten Ideen! Mit eurem Sinn für Gerechtigkeit! Wir brauchen euer Lachen, eure Empfindsamkeit, eure Aufregung, wenn ihr findet, dass etwas unfair, ungerecht oder einfach bescheuert ist…

Vielleicht, liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen, erinnert ihr euch an die „Geschichte von der toten Kirche“, von der „Kirche im Sarg“, die ich beim Konfi-Vorstellungsgottesdienst erzählt habe. Das hier, liebe Konfis, ist eure Kirche. Eure Ge­meinde. Als mündige Christen tragt ihr Ver­antwortung für diese Kirche. Ihr könnt sie gestalten, mit neuem Leben füllen, verän­dern. Kirche – das sind nicht irgendwelche anderen. Nicht die Pfar­rer und Bischöfe. Nicht die da oben. Kirche – das seid ihr! Wir „Alten“ trauen euch eine Menge zu! Wir brau­chen euch ganz dringend! Vergesst das nicht, wenn ihr diese Kir­che heute als konfirmierte Christen verlasst!

"Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht." –

Liebe Konfirmanden und Konfirmandin­nen, ich wünsche euch, dass ihr in unserer Gemeinde einen Platz findet. Einen Platz, wo ihr euch wohl und gut aufgehoben fühlt. Ich wünsche euch, dass ihr auf eure ganz eigene Weise im Glau­ben wachsen und daran festhalten könnt. Ich wünsche euch, dass ihr in eu­rem Leben immer wieder spürt, wie Gott - der himmlische Weingärtner - auf euch achtgibt, euch Sonne und Regen schickt zur rechten Zeit. Dass man einmal von euch sagen kann: „Schau hin, was für schöne Früchte! Um die muss Gott selbst sich gekümmert haben…“ – Macht´s gut, Leute!

AMEN.